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Etappensieg für den Erhalt der Flotte
Etappensieg für den Erhalt der Flotte

   - 07.07.2017 -Bremen. Was lange als Sargnagel für die Flotte der deutschen Traditionsschiffe beklagt worden ist, könnte sich jetzt als Rettungsprogramm für so manches schwimmende Denkmal mit Investitionsstau entpuppen: Das Bundesverkehrsministerium will die neuen Sicherheitsauflagen für Traditionsschiffe mit einem Millionenprogramm für deren Umbau und die Ausbildung der Crews flankieren. Außerdem gibt es eine Bestandsgarantie für alle Schiffe.



Windjammerparade der Kieler Woche &copy; Carsten Rehder, dpa

Protest gegen die geplante Sicherheitsverordnung gab es auch bei der Kieler Woche im Juni: Die Traditionssegler starteten zur Windjammerparade im Rahmen der Kieler Woche verspätet. (Carsten Rehder, dpa)

Ein Einlenken gab es im Ministerium auch beim Tempo der Neuregelungen: Erst zum Januar 2018 soll die neue Verordnung kommen. 

Die Windjammerparade zur Kieler Woche am letzten Juniwochenende hat ein Loch in der Formation, was kein Zufall ist: Der GSHW hat als Dachverband der deutschen Traditionsschiffe den Dreimaster „Thor Heyerdahl“ ganz bewusst weit vor das Feld der über 70 teilnehmenden Schiffe gesetzt. Erst eine Meile später kommen sie heran. In den Takelagen der Schiffe weht der Trauerflor vor einem Riesenpublikum an den Stränden und Kajen.

Die Eigner und Trägervereine fürchten zu diesem Zeitpunkt schlicht noch um die Zukunft für ihre Traditionsschiffe. Sie befürchten, dass einige der Zeugen der maritimen Geschichte Europas den neuen Anforderungen der sogenannten Schiffssicherheitsverordnung (SchSVO) schlicht nicht standhalten werden. Es geht um 110 Traditionsschiffe an Nord- und Ostsee und in den Flüssen, die so manchem Hafen erst ein Gesicht geben. 

Der GSHW-Vorsitzende Jan-Matthias Westermann hat am 20. Juni in Berlin schon mit noch mehr Aktionen gedroht, sollte die Verordnung wie geplant zum 1. Juli vom Bundesverkehrsministerium in Kraft gesetzt werden. Westermann merkt aber schon in diesem Gespräch mit hochrangigen Vertretern aus dem Ministerium auf Arbeitsebene, dass sich Berlin intensiv mit den Änderungswünschen aus der Traditionsschifferszene auseinandersetzen will. Und der für Schifffahrt zuständige Ministerialdirektor Reinhard Klingen ist schon so weit gegangen, eine grundsätzliche Bestandsgarantie für jedes Traditionsschiff abzugeben. Westermann: „Dazu kam grünes Licht zu einer anderen Sache, die uns ganz wichtig ist: Dass bei den weiteren Gesprächen mit dem Ministerium zur Verordnung immer auch die Berufsgenossenschaft See (BG See) als ausführende Stelle mit am Tisch sitzt.“ Man ist misstrauisch, dass klare Abmachungen mit Berlin von den Schiffsprüfern vor Ort „falsch verstanden“ werden könnten. 

Die Berliner Beamten stimmen zu und sprechen sich auch für einen Ombudsmann plus Stellvertreter aus, der alle strittigen Fragen nach Schiffsprüfungen gemäß der neuen Verordnung klären soll. Sogar Namen werden genannt. Westermann „Wir haben dazu Vertraulichkeit abgesprochen. Aber ich kann für den GSHW sagen, dass wir die Ernennung dieser infrage kommenden Person sehr begrüßen würden.“ Allen im Raum ist klar: Es wird zu Aufregern kommen, wenn die BG See bauliche Veränderungen für erforderlich hält und Eigner und Vereine sich gegen die Umbauten wehren, weil sie die Historie der Schiffe zerstören. Westermann und die Seinen sind jedenfalls hochaufmerksam: „Für jedes Traditionsschiff wird ein Zertifikat erstellt und wir werden jede Prüfung genau begleiten. Wird durch den Zustand des Schiffes natürlich die Sicherheit der Besatzung und der Gäste gefährdet, muss man schauen, was man machen kann.“ 

Am Rande der Gespräche sei von einem Topf mit 20 Millionen Euro gesprochen worden, aus dem Umbauten und Crewtrainings gefördert werden sollten. Westermann hat gerechnet und auf fünf Jahre 50 Millionen Euro verlangt. Der Betrag bleibt letztlich offen. Westermanns wiederholter Bitte, mit der Verordnung noch die nächsten Treffen der neuen Arbeitsgruppe abzuwarten, um deren Ergebnisse noch in das Werk mit einzuarbeiten, entsprechen die Beamten erst einmal nicht. 

Das überlassen sie ihrem Chef: Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), verkündet am 30. Juni das Inkrafttreten der neuen Vorschriften erst für den 1. Januar 2018. Bis dahin soll die neue Arbeitsgruppe zweimal getagt haben. Der Cuxhavener Bundestagsabgeordnete bestätigt auch die Ernennung eines Ombudsmannes für Streitfragen, auch ohne Namen zu nennen. Zu Summen in Fördertöpfen kommt von Ferlemann erst einmal noch nichts. Jan-Matthias Westermann ist als GSHW-Vorsitzender trotzdem zufrieden mit diesem Etappensieg für den Erhalt der Flotte. 

Bremens Häfensenator Martin Günthner (SPD) begrüßt in dieser Woche das Umdenken im Bundesverkehrsministerium ebenfalls ausdrücklich und verweist auf den Druck der norddeutschen Küstenländer auf Berlin in der Angelegenheit: „Endlich hat das Bundesverkehrsministerium eingelenkt. Das ist der richtige Weg. Nun kann eine konstruktive Lösung für den Erhalt und die Zukunft der Traditionsschifffahrt erarbeitet werden.“ 

Nicht ganz so positiv beurteilen die Bremer Grünen die aktuelle Entwicklung. Ihre Fraktionsvorsitzende Maike Schaefer, selbst Seglerin, spricht nur von einem Aufatmen für die Saison 2017. Der drohende Untergang der Traditionsschifffahrt sei damit aber noch nicht abgewendet. Die finanzielle Unterstützung für Umbauten sei nur ein Teilaspekt der künftigen Verordnung. Maike Schaefer: „Die deutlich höheren Auflagen für die ehrenamtlichen Crews sind gar nicht vom Tisch. Bleibt die Sicherheitsrichtlinie so bestehen, müssten die ehrenamtlich Aktiven immer wieder sehr zeitaufwendige und teure Lehrgänge absolvieren.“ Grundsätzlich beklagt sie den Geist der Verordnung, der die Vorschriften für die Traditionsschifffahrt an vielen Stellen mit denen der Berufsschifffahrt gleichsetze. 

„Wir werden jede Prüfung genau begleiten.“ Jan-Matthias Westermann, GSHW

Quelle http://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-etappensieg-fuer-den-erhalt-der-flotte-_arid,1622017.html



DruckenDrucken | 08-07-2017, 00:52:00 | Reporter

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